Der richtige Sitz ...

Das Sitzen im Hara

 

 

 

»Zitat«

 

Wer einmal begriffen hat, dass das Feld der Übung nicht in irgendwelchen extravaganten Praktiken zu suchen ist, sondern in den Grundformen des Verhaltens, dem werden die elementarsten Weisen, da zu sein, das Stehen, Gehen und Sitzen zu Räumen nie endenden Forschens und Übens. Sie werden zu Spiegeln der eigenen Fehlhaltungen und zu Feldern der Erprobungen und Bewährung rechter Haltung. Und wer begreift, dass der Erweis für die Gültigkeit jeden Fortschritts auf dem inneren Weg das Verhalten in der Welt ist, dieses Verhalten aber nirgend anders als in der weise erscheint, wie man in »Leibe« da ist, für den hat die Übung des rechten Stehens, Gehens und Sitzens nie ein Ende. Es ist das Feld, in dem sich in jedem Augenblick der ganze Mensch spiegelt.

 

 

 

Die Kenntnis und Beherrschung der rechten »Technik« des Sitzens, Stehens etc. gewinnt umso mehr ausschlaggebende Bedeutung, als man das Wort Technik im Sinn des Zen Meisters versteht, der da sagt: »Technik sei gleich *Tao – Tao gleich Technik« und die Weisungen zu beherzigen lernt, die die berühmte Meisterkatze zum Kämpfen gibt**.

 

 

 

Was Hara als »Sitz« bedeute, und wie er zu üben ist, versteht am schnellsten,

"wer reiten kann".

 

 

Man reitet mit Hara.

 

 (Hara - aus dem japanischen, bedeutet die rechte Halung im Inneren sowie im Äusseren Sinne)

 

Nur mit Hara entsteht jene elastische, zugleich feste wie auch gelöste Haltung, die dem Reiter bei aller Bewegtheit im Gleichgewicht hält und kraft derer er über das Pferd jene »Herrschaft ohne Gewalt« gewinnt und jenes »Tun ohne zu tun« entbindet, dem das Pferd sich willig fügt.

 

 

 

Der gute Reiter sitzt aufrecht, aber ohne Verspannung auf dem Pferd,

 

in Form, doch ohne Starre.

 

Er ist mit dem Pferd in einer Weise verbunden, die Ausdruck einer Einheit ist von Reiter und Pferd. Was Reiter und Pferd hier zeigen, ist Ausdruck eines Geschehens von gleichnishafter Bedeutung. Das Pferd geht auf den Reiter ein, weil er auf das Pferd eingegangen ist. Pferd und Reiter haben sich gegenseitig von Mitte zu Mitte im Gespür, und, was immer auch der Reiter will, er verwirklicht es nicht kraft seines bewussten Willens, sondern mit Kraft des Hara, die das Gewollte unwillkürlich hervorbringt.

 

 

 

Hara bedeutet also im Sitzen nicht weniger als im Stehen oder Gehen eine Kraft der zentralen inneren Führung, in der aller Eigenwille aufgelöst ist und eine Form entsteht, die nicht gemacht ist, sondern organisch aus der Zentrierung hervorwächst.

 

 

 

»Zitat ENDE« Karlfried Graf Dürckheim »HARA« Die energetische Mitte des Menschen, (O.W.Barth Verlag)

 

 

 

 

*Tao heißt Wörtlich übersetzt „Weg“ bedeutet im entsprechenden Kontext „Methode“, „Prinzip“, „der rechte Weg“, Lehre oder schule – im Sinne einer Denkrichtung.

 

 

**Vgl. Kenran Umeji »Technik gleich Tao« in Dürckheim, »Japan und die Kultur der Stille« und »Die Geschichte von der Wunderbaren Katze« in Dürckheim »Zen und Wir«. (Beides im O.W.Barth-Verlag, Weilheim Obb.)